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ICT & Technik
Internet Protocol IPv6

IPv6 wird die Basistechnologie zukünftiger Netzwerke sein

Silvia Hagen (Autor)

01.05.10 - 10:30

Ist es sinnvoll, in Zeiten, in denen drastisch Kosten gespart und Investitionen sorgfältiger denn je erwogen werden müssen, ein neues Protokoll im Netzwerk einzuführen? Was auf den ersten Blick als unnötige Investition erscheinen mag, kann sich bei näherer und langfristiger Betrachtung als wichtige und zukunftssichernde Investition erweisen.

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Case Studies

Hierbei sei auf ein Buch verwiesen, bei dem Fred Wettling Co-Autor ist: «Global IPv6 Strategies – From Business Analysis to Operational Planning» (Cisco Press). Es enthält Case Studies namhafter Firmen aus allen möglichen Geschäftsbereichen mit viel Detailbeschreibungen und bietet dadurch einen reichen Schatz an bereits gemachten Erfahrungen und Learnings. Es beschreibt unter anderem die Integrationsstrategie von Comcast, dem grössten Kabelbetreiber in den USA. Comcast ist genau in die oben beschriebene Situation gekommen: Aus akutem Adressbedarf heraus musste IPv6 in gewissen Bereichen schnellstmöglich eingeführt werden, was erhebliche Risiken mit sich brachte.

Best Practices

Viele grosse Industrien sind am Entwickeln von IPv6-basierten Diensten. So zum Beispiel die Automobilindustrie, die Prototypen des vernetzten Autos der Zukunft baut. Es gibt Entwicklungen im Bereich Umgebungskontrolle, Gebäude- und Flottenmanagement, Haushaltgeräteüberwachung und verschiedenste Arten von Sensor-Netzwerken. Ein guter Einstiegslink ist die Website www.ipv6actnow.org. Sie wird durch RipeNCC betrieben und enthält für alle Marktteilnehmer (Organisationen, Regierungen, ISP) wertvolle Informationen, Links, Statistiken und Interviews, zum Beispiel mit Lorenzo Colitti, der die IPv6-Integration bei Google gemacht hat und über den Business Case für Google spricht.

Kein Flag Day für IPv6

1983 hat man das damalige «Internet» in einer Nacht vom vorherigen NCP-Protokoll auf IPv4 umgestellt. Diesen Flag Day wird es bei IPv6 selbstverständlich nicht geben, zu komplex ist heute das Internet. Also sollte man auch nicht auf einen Flag Day und die vielzitierte Killerapplikation warten.

Vielmehr empfiehlt sich: den Schritt-für-Schritt-Ansatz zu wählen, Lernaufwand, Assessment, Tests und Integration über einen längeren Zeitraum verteilen, dem IT-Team Zeit geben, sich mit dem Protokoll vertraut zu machen, und am Tag, an dem man IPv6 wirklich braucht, wird es einfach da sein. Dies ist zugleich der kostengünstigste Ansatz.

Porträt

Silvia Hagen (Autor)

Sunny Connection AG

Silvia Hagen ist Inhaberin und CEO von Sunny Connection AG, Autorin zahlreicher Bücher über TCP/IP und IPv6, unter anderem von «IPv6 Essentials», das bereits in der zweiten Auflage von OReilly publiziert wurde. Sie hält regelmässig Vorträge an internationalen Fachkonferenzen und ist Präsidentin des neu gegründeten Schweizer IPv6 Councils. Die Sunny Connection AG ist eine IT-Consulting- und Schulungsfirma mit Sitz in Maur bei Zürich und ist spezialisiert auf Netzwerk- und Performanceanalyse sowie IPv6 und Identity Management. Silvia Hagen hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Beratung von mittleren und grossen Unternehmen, hauptsächlich in den Bereichen Industrie, Banken und Versicherungen.