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Forschung & Entwicklung
Nachhaltige Unternehmensentwicklung (Teil 1 von 3)

Wie Schweizer Unternehmen mit Nachhaltigkeit umgehen

Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock (Autor), Prof. Dr. Petra Kugler (Autor)

01.06.12 - 10:15

Zwei Studien der FHS St.Gallen gingen dem Verständnis und dem aktuellen Stand der Umsetzung von nachhaltiger Unternehmensentwicklung allgemein (Teil 1 dieser Serie) und mit Fokus auf soziale Nachhaltigkeit und Nachhaltiges Human Resource Management (Teil 2) nach und ziehen Schlüsse für eine erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeit (Teil 3).

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Künftiges Potenzial von Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Handeln ist noch neu und mit Unsicherheiten verbunden. Die befragten Schweizer Unternehmen bestätigen mit den Ergebnissen beider Studien die Bedeutung des Themas, die Trend- und Zukunftsforscher Nachhaltigkeit zuschreiben: Heute stellt Nachhaltigkeit noch einen besonderen Aspekt dar, der jedoch in Zukunft in zahlreichen Branchen vorherrschend sein wird (Frey, 2012).

Bei frühzeitigem Einstieg bietet sie jedoch zahlreiche Chancen für Unternehmen. So rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, zit. in Frey, 2012) mit einem mengenmässigen Anstieg von Arbeitsplätzen im Bereich «erneuerbare Energien» von 350 000 im Jahr 2010 auf 600 000 in 2020.

Dass die heute schon grosse Bedeutung von Nachhaltigkeit auch für Schweizer Unternehmen künftig weiter steigen wird, vermuten ca. 80 Prozent der Befragten aus Studie 1. Mehr als die Hälfte der Befragten (51%) erwartet diese Entwicklung für alle drei Bereiche der Triple-Bottom Line. Nur ca. 20 Prozent der Personen schätzen die Thematik künftig etwa gleich bedeutsam wie heute ein. Einen Verlust an Bedeutung nachhaltigen Handelns vermuten nur einzelne der Befragten. Ihre Antworten beziehen sich dabei fast ausschliesslich auf ökologische Sachverhalte, jedoch nicht auf ökonomische oder soziale.

Die grössten künftigen Erfolgspotenziale werden mit etwa gleicher Bewertung vermutet bei finanziellem finanziellem Erfolg/Umsatzwachstum, steigendem Wert des Unternehmens, öffentlichem Ansehen des Unternehmens, Attraktivität als Arbeitgeber und effizientem Ressourceneinsatz. Auch hier hat die Ökologie erneut das Nachsehen, ein geringerer Ressourcenausstoss wird mit verringertem künftigem Potenzial verbunden und möglicherweise nur in seiner einseitigen Ausprägung als limitierendem Faktor statt strategisch nutz­barem Aspekt betrachtet. Entgegen der Einigkeit bei dieser Prognose zögern die befragten Unternehmen heute noch, signifikante Massnahmen zu ergreifen. Zu erwarten wäre, dass eine Verlagerung (oder Verstärkung) des Ressourceneinsatzes zur Erzielung der bisher fokussierten ökonomischen Ziele hin zu sozialen oder ökologischen Zielen angestrebt wird. Statistische Tests zeigen eher auf, dass künftig sogar relativ mehr Ressourcen zur Erreichung ökonomischer anstelle ökologischer Ziele eingesetzt werden sollen (siehe Tab. 2).

Des Weiteren wäre auch zu erwarten, dass die Unternehmen planen, mehr Ressourcen in die Verfügbarkeit von Kompetenzen zu investieren, also in das soziale Kapital der Organisationen z.B. in Form von Mehrinvestitionen in Aus- und Weiterbildung. Dies konnte nicht bestätigt werden. Eine Veränderung des Ressourceneinsatzes für soziale Ziele lässt sich nicht feststellen. Vielmehr sollen die nach eigenen Angaben bisher schon moderaten bis hohen Investitionen (Angaben wurden nicht beziffert) wie bisher weitergeführt werden.

Ausblick

Vor diesem Hintergrund wendet sich Teil 2 der Artikelserie in der nächsten Ausgabe («KMU-Magazin», 6/7-12) dem aktuellen Stand von «Nachhaltigkeit» in Bezug auf das Human Resource Management (HRM) Schweizer Unternehmen zu. Es wird eingegangen auf

  • die Gründe und die Verbreitung eines Nachhaltigkeitsengagements im HRM,
  • Handlungsfelder und Massnahmen sowie
  • bereits genutzte Möglichkeiten zur Bewertung des Engagements.

Porträt

Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock (Autor)

Dozentin, stellvertretende Institutsleiterin, Leiterin Kompetenzzentrum

Sibylle Olbert-Bock leitet das Kompetenzzentrum Leadership und Personalmanagement am Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaftslehre an der FHS St. Gallen.

Prof. Dr. Petra Kugler (Autor)

Professorin

Prof. Dr. Petra Kugler ist Professorin am Kompetenzzentrum für Strategie und Management am Institut für Unternehmensführung der FHS St. Gallen (IFU-FHS). Sie beschäftigt sich mit innovativen Strategie- und Managementansätzen und der Frage, wie Unternehmen auch in einer sich schnell verändernden Welt nachhaltige Wettbewerbsvorteile erzielen können. Die Beitragsserie «Digitale Veränderungen» wurde im Rahmen des internationalen, interdisziplinären und angewandten Forschungsprojektes «Digitalisierungsnavigator Digi Nav» im Rahmen des IBH-Labs «KMU digital» verfasst. Das Projekt IBH-Lab «KMU digital Digitalisierungsnavigator» wird aus Mitteln des Interreg-Programms «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein», dessen Mittel vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Schweizer Bund zur Verfügung gestellt werden, gefördert.

Serie

Die Teile der Serie «Nachhaltige Unternehmensentwicklung (von Prof. Dr. Sibylle Obert-Bock)» erscheinen wie folgt: