Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Forschung & Entwicklung
Studie: Unternehmensnachfolge

Unterstützungsangebote im Nachfolgeprozess

Prof. Dr. Frank Bau (Autor), Jörg Sennrich (Autor)

22.03.17 - 00:45

Unternehmensnachfolge ist naturgemäss ein schwieriges Thema, das sich zunehmend verschärft durch den Fachkräftemangel und demografische Veränderungen. Neue Serviceangebote und ein internationales Netzwerk könnten Abhilfe schaffen.

Tabs

Seite 4

These 3

Die Unterstützungsangebote zur Unternehmensnachfolge müssen mehr passive Angebote beinhalten, die es den Unternehmerinnen und Unternehmern erlauben, unerkannt zu bleiben.

 

Kommentar zu These 3

Wir bei KMU Next beobachten das auch. Vielleicht ist das in der Schweiz sogar noch stärker ausgeprägt als in Bayern, wo alles viel grösser und damit per se anonymer ist. Und natürlich versuchen wir bei KMU Next auch die geforderten passiven Formate bereitzustellen.

Mit Checklisten und verschiedenen Publikationen bieten wir den Mitgliedern eine breite Palette an Unterstützung an, ohne dass sie sich öffentlich zu ihrem Vorhaben bekennen müssen. So stehen wir unter anderem auch am Samstag von 7.00 Uhr bis 12.00 Uhr oder nach Arbeitsschluss unter der Woche für persönliche Gespräche zur Verfügung. Aber es gibt auch aktive Formate, die mit etwas Fingerspitzengefühl dieses sensible und nachvollziehbare Bedürfnis nach Vertraulichkeit erfüllen.

Wir bieten zum Beispiel ein «KMU-Z’vieri» an, bei dem unter unserer Kontrolle nur Unternehmerinnen und Unternehmer teilnehmen dürfen, die sich ernsthaft mit einer Unternehmensnachfolge befassen. Dienstleister sowie Berater werden hierbei höflichst auf andere Formate verwiesen. Meist braucht es eine gewisse Anwärmphase, aber es entsteht dann doch eine sehr offene Atmosphäre, in der die Unternehmer über ihre Sorgen sprechen und sich untereinander austauschen.

Das ist ein wichtiger und eben doch aktiver Schritt, um gut in den Nachfolgeprozess hineinzufinden. Dies unterstützen wir affektiv, indem wir den Unternehmer in unsere Kommunikationsmassnahmen einbinden und mit unseren Themenschriften bedienen. Ein aktives Nachfassen seitens KMU Next erfolgt jedoch nicht. Die Unternehmerin, der Unternehmer ist und bleibt im Lead.

Fazit

Die grosse Unsicherheit und Berührungsangst seitens der Unternehmer könnte abgebaut werden durch mehr Prozessorientierung der Unterstützungsangebote und ein vielfältiges Portfolio an Formaten, das unterschiedliche Unternehmerpersönlichkeiten mit ihren Ängsten und Sorgen da abholt, wo sie stehen. Da eine Einrichtung alleine nicht alles abdecken kann, sind einmal mehr Netzwerke ein Lösungsansatz. In diesem Fall könnte das Netzwerk zudem durch Internationalität zusätzlichen Nutzen stiften. Aber der Ball ist auch an die Unternehmer zurückzuspielen. Es ist ähnlich wie bei Unternehmensgründern, die keinem von ihren Ideen erzählen wollen.

Nur die wenigsten Unternehmer werden durch Geheimniskrämerei und Verdrängung erfolgreich. Wer die Unternehmensnachfolge als positiven Abschluss seiner unternehmerischen Laufbahn abschliessen will, sollte frühzeitig und offen ans Werk gehen.  Und wer sich nicht erst in den letzten zwei oder drei Jahren vor der körperlichen Erschöpfung mit der Nachfolgeplanung beschäftigt, muss auch nicht fürchten, dass sein Umfeld durch einen Vorgang irritiert wird. Ein Vorgang, der naturgemäss ohnehin irgendwann stattfindet. Entsprechende Anlaufstellen gibt es zahl­reiche, die HTW Chur und das Netzwerk KMU Next sind nur zwei davon.

Porträt

Prof. Dr. Frank Bau (Autor)

Professor für General Management, Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

Jörg Sennrich (Autor)

Geschäftsführer, Netzwerk KMU Next