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Forschung & Entwicklung
Nachhaltigkeit umsetzen (Teil 1 von 3)

Nachhaltiges Handeln – ein emotionales Unterfangen

Prof. Dr. Petra Kugler (Autor)

01.05.14 - 11:00

Rational begreifen wir die Notwendigkeit nachhaltigen unternehmerischen Handelns. Ihre konkrete Umsetzung ist oft aber mehr «Schein» denn «Sein». Nicht nur rationale Denk- und Handlungsweisen spielen dabei eine Rolle, sondern auch die im Management oft vernachlässigten Emotionen. Was das für KMU bedeutet, zeigt dieser erste von drei Beiträgen.

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Lösungsansätze

Insgesamt wird deutlich, dass die Sache mit der Nachhaltigkeit für Unternehmen aus heutiger Sicht nicht immer ganz einfach, aber notwendig ist. Wie bei vielen Veränderungen braucht es zunächst Engagement, Mut und neue Ideen, wie ein Konzept umgesetzt werden kann. Im Unterschied zu vielen etablierten Mustern und Werkzeugen der Vergangenheit bietet nachhaltiges unternehmerisches Handeln aber nicht nur die Möglichkeit, sich im Wettbewerb zu unterscheiden, sondern wir profitieren auch als Individuen und als Gesellschaft von ihrer Umsetzung – rational ebenso wie emotional.

Zusammengefasst bieten sich für Unternehmen unter anderem diese Lösungs­ansätze, um nachhaltiges Handeln in Unternehmen zu stärken:

  • Anreizstrukturen im Unternehmen sollten längerfristig ausgelegt sein, so dass sich nachhaltiges Handeln in ihnen widerspiegeln kann.
  • Anreize dürfen sich dabei nicht nur auf ökonomische Ziele beschränken, sondern müssen auch die soziale und ökologische Dimension der Triple-Bottom Line abdecken, um Nachhaltigkeit im Unternehmen zu stärken.
  • Mitarbeiter aller unternehmerischen Ebenen nur aus einer rationalen Perspektive zu betrachten, vernachlässigt die ebenfalls wirksamen und in der Realität vorhandenen Emotionen. Gerade dort setzen Verhaltensänderungen aber oft an.
  • Nachhaltiges Verhalten aller drei Dimensionen sollten Mitarbeiter nicht nur als abstraktes Gebilde begreifen, sondern ganz konkret erfahren. Dazu sind neue Werkzeuge wie Gaming-Methoden oder eine bewusste Reflexion des eigenen Verhaltens hilfreich.
  • Nachhaltiges Denken und Handeln wird nur dann substanziell im Unternehmen verankert und zu «Sein», wenn es im täglichen Agieren auf allen unternehmerischen Ebenen selbstverständlich und handlungsleitend ist.
  • Anreize, die an der intrinsischen Motivation der Mitarbeiter und an sozialen Prozessen ansetzen, leisten dies eher als kurzfristig orientierte, extrinsische, finanzielle Anreize.
  • Die Fähigkeit zum kreativen, visionären Denken in Unternehmen hilft dabei, sich künftige nachhaltige Ziele vorzustellen und anzustreben.

Ausblick

Im zweiten Teil des Beitrags wird aufgezeigt, welche besonderen Charakteristika mit nachhaltigem Handeln verbunden sind. Nachhaltigkeit bildet ein komplexes System und sie ist mit einer langfristigen Perspektive verbunden, oft über Generationen hinweg. Diese Eigenschaften erschweren es, Nachhaltigkeit zu konkretisieren, denn sie passen nicht in die heute in Unternehmen vorherrschende Logik des Marktes.

Porträt

Prof. Dr. Petra Kugler (Autor)

Professorin

Prof. Dr. Petra Kugler ist Professorin am Kompetenzzentrum für Strategie und Management am Institut für Unternehmensführung der FHS St. Gallen (IFU-FHS). Sie beschäftigt sich mit innovativen Strategie- und Managementansätzen und der Frage, wie Unternehmen auch in einer sich schnell verändernden Welt nachhaltige Wettbewerbsvorteile erzielen können. Die Beitragsserie «Digitale Veränderungen» wurde im Rahmen des internationalen, interdisziplinären und angewandten Forschungsprojektes «Digitalisierungsnavigator Digi Nav» im Rahmen des IBH-Labs «KMU digital» verfasst. Das Projekt IBH-Lab «KMU digital Digitalisierungsnavigator» wird aus Mitteln des Interreg-Programms «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein», dessen Mittel vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Schweizer Bund zur Verfügung gestellt werden, gefördert.

Serie

Die Teile der Serie «Nachhaltigkeit umsetzen (von Prof. Dr. Petra Kugler)» erscheinen wie folgt: