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Forschung & Entwicklung
Studie: Internationalisierung

Internationalisierungskompetenzen bewerten und fördern

Sheron Baumann (Autor), Sylvie Scherrer (Autor), Thomas Affolter (Autor)

23.05.19 - 00:00

Wie kann der internationale Markterfolg von KMU langfristig gesichert werden? Das Forschungsprojekt «KMU-Internationalisierung» der Hochschule Luzern hat die dazu notwendigen Führungs- und Managementkompetenzen erforscht und ein Instrument zur Messung dieser Kompetenzen entwickelt.

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Eigene Kompetenz fördern

Für die Konkretisierung der notwendigen Förderung einzelner Teilkompetenzen ist es angebracht, die Einzelergebnisse der ihnen zugeordneten Aussagen genauer zu betrachten. Sie sind in Abbildung 4 aufgelistet. In diesem Beispiel könnte man zum Schluss kommen, dass das Unternehmen zwar ein hohes Ansehen für sein Produkt geniesst, da bezüglich «Markt­orientierung» Aussage 1 mit 4 von 5 Punkten auf Zustimmung gestossen ist. Die Aussagen 2 und 7 wurden aber jeweils nur mit einer 2 bewertet, die Aussage 3 erreicht gar nur eine 1. 

Aufgrund dieser Bewertungen kann nun vermutet werden, dass das KMU durchaus über ein gutes und anerkanntes Qualitätsprodukt verfügt. Die anvisierten Kennzahlen könnten aber deshalb unter den Erwartungen bleiben, weil das Verständnis dafür fehlt, wie dieses Produkt in einem bestimmten ausländischen Markt angeboten werden kann und welche Anpassungen am Produkt nötig wären, um dort eine grössere Nachfrage zu wecken. 

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine vertiefte Analyse der Kundenbe­dürfnisse im Zielmarkt ins Auge gefasst werden sollte. Zusätzlich müssen die Vertriebsprozesse genauer betrachtet werden beziehungsweise mehr Informationen darüber gesammelt werden, wie ein solches Produkt besser angeboten werden kann. Dies würde unbedingt auch Recherchen direkt vor Ort beinhalten – etwas, das bisher vernachlässigt worden ist. Das zeigen die niedrigen Werte der ersten sowie letzten Aussage zur «Interkulturellen Kompetenz».

Die erreichten Werte in den Teilkompetenzen «Unternehmergeist» und «Lernfähige Organisation» des Beispielunternehmens stimmen zuversichtlich, dass das Unternehmen über die nötigen Fähig­keiten verfügt, die Defizite auszugleichen. Typischerweise deuten solche Bewertungen auf stark lösungsorientierte Unternehmen hin, in deren Personal viel Selbstvertrauen und Robustheit gegenüber Rückschlägen verkörpert ist. Ausserdem sind die Mitarbeitenden gut motiviert, initiativ und kämpfen kaum mit personellen Engpässen. Das im Projekt entwickelte Messinstrument ermöglicht also einerseits die Diagnose von Schwachpunkten, für die konkrete Entwicklungsschritte abgeleitet und priorisiert werden können. Andererseits wird erkennbar gemacht, auf welche Kompetenzressourcen bereits zurückgegriffen werden kann, um die Fähigkeit zur Internationalisierung zu stärken.

Porträt

Sheron Baumann (Autor)

Geschäftsstellenleiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter

Sheron Baumann leitet die Geschäftsstelle der Ressortkonferenz Weiterbildung an der Hochschule Luzern. Er arbeitet ausserdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Competence Center Management and Law in verschiedenen Forschungsprojekten des Instituts für Betriebs- und Regionalökonomie mit.

Sylvie Scherrer (Autor)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Doktorandin

Sylvie Scherrer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und forscht in den Bereichen Entrepreneurship, Nachhaltigkeit sowie Organisations- und Personalentwicklung. Sie ist Co-Leiterin des jährlich stattfindenden Forums für Familienunternehmen und engagiert sich für Smart-up – eine Initiative der Hochschule Luzern zur Förderung von Unternehmertum.

Thomas Affolter (Autor)

Partner und Leiter Marktregion Zentralschweiz

Thomas Affolter ist dipl. Wirtschaftsprüfer. Als Ver­antwortlicher für die Wirtschaftsprüfungsabteilung der KPMG Zentralschweiz koordiniert er die lokalen Marktaktivitäten in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern und Beratung und betreut eine Vielzahl von Zentralschweizer Unternehmen, die national und international ausgerichtet sind. Zudem ist er für die Konzernprüfung von börsenkotierten Unternehmen verantwortlich.