Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Forschung & Entwicklung
Flexible Arbeitsformen

«Home Office macht Arbeitgeber wettbewerbsfähiger»

Friederike Triebel (Autor), Prof. Dr. Hartmut Schulze, Dr. Johann Weichbrodt

01.10.14 - 16:00

An der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW wird seit einigen Jahren intensiv zu den Themen Home Office und mobil-flexibler Arbeit geforscht. Prof. Dr. Hartmut Schulze, Institutsleiter, und Dr. Johann Weichbrodt, Studienleiter zu mobil-flexibler Arbeit, beantworten im «KMU-Magazin» Fragen rund um das flexible Arbeiten.

Tabs

Seite 4

Herr Weichbrodt, die Vorteile von Home Office werden oft im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder als Ersatz für das Pendeln bei langen Arbeitswegen gesehen. Wie ist Ihre Sichtweise dazu?

Weichbrodt: Home Office bietet tatsächlich Vorteile für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber nicht in dem Sinne, dass man gleichzeitig arbeitet und Kinder betreut. Dies wird leider oft so dargestellt. Dabei ist die Betreuung von Kleinkindern natürlich ein Job für sich und verträgt sich mit der Arbeit zu Hause nur in Ausnahmefällen. Home Office bietet aber dennoch grosse Flexibilität für die Koordination innerhalb der Familie, also beispielsweise bei der Frage, wer wann Kinder wegbringt oder abholt. Für viele bedeutet Home Office auch grössere Nähe zu Familie und Kindern, wenn man beispielsweise zusammen mittagessen kann. Für Pendler gilt: Je weiter der Arbeitsweg, desto beliebter ist Home Office, weil mehr Zeit eingespart werden kann. Dies bietet natürlich auch ein Potenzial zur Entlastung der Verkehrssysteme.

Ein mittelständisches Unternehmen möchte die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, einführen. Was raten Sie?

Schulze: Hier raten wir ganz entschieden, sich gut darauf vorzubereiten. Ganz nach dem Motto: Home Office ja, aber richtig. Zunächst sollte herausgefunden werden, welche Aufgaben grundsätzlich eine hohe Präsenz in der Firma vor Ort erfordern und welche auch mobil-flexibel an anderen Orten inkl. Home Office erbracht werden können. Entscheidend ist auch, die Führungskräfte mit ins Boot zu nehmen. Hier gilt es, Potenziale und Risiken gegenüberzustellen und Richtlinien zu entwickeln, anhand derer zum Beispiel entschieden wird, ob einem Mitarbeitenden der Wunsch nach Home Office erfüllt werden kann oder eben nicht. Weiterhin merken wir immer wieder, dass flexible Arbeitsweisen auch neue Kompetenzen erfordern und dies sowohl aufseiten der Mitarbeitenden wie auch aufseiten der Kader. Traditionelle Führungsstrategien wie Command and Order greifen nicht mehr. An deren Stelle treten Zielvereinbarungen, Ressourcenbereitstellung, Feedback und Vertrauen. Die Einführung von mobil-flexibler Arbeit sollte systematisch vorbereitet und begleitet werden.

Porträt

Prof. Dr. Hartmut Schulze

Institutsleiter, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Dr. Johann Weichbrodt

Studienleiter, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW