Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Forschung & Entwicklung
Human Resource Management

Herausforderungen für die strategische Personalplanung

Abdullah Redzepi (Autor), Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock (Autor), Dr. Kai Berendes (Autor)

28.06.18 - 00:15

Die Sicherstellung des Personalbedarfs wird zunehmend zum kritischen Wettbewerbsfaktor. Trends wie die Digitalisierung lassen sich ohne geeignete Fachkräfte nicht erfolgreich angehen. Der Beitrag beschreibt die Notwendigkeit einer strategischen Personalplanung und stellt ein Referenzmodell vor.

Tabs

Seite 4

Diese Erkenntnis über das Abschmelzen des Personalkörpers wird im Folgeschritt dem Personalbedarf gegenübergestellt. Der Personalbedarf wird dabei zum Beispiel über volumenabhängige Geschäftstreiber (Kunden oder Aufträge) sowie zugehörige Produktivitätsannahmen pro Job-Familie definiert. Dabei können Abhängigkeiten der Mitarbeitergruppen untereinander betrachtet oder Wachstumsraten angenommen werden. Es geht nicht um eine reine Fortschreibung der Personalbedarfe. Vielmehr sollen die personalwirtschaftlichen Auswirkungen der Unternehmensstrategie sichtbar gemacht werden. Die Annahmen lassen sich dabei für den Planer leicht über das bereitgestellte Simulationscockpit variieren und zeigen in weiteren Szenarien die zukünftigen Personallücken in einer Risikolandkarte (siehe Abb. 3) differenziert nach Jobfamilien auf.

Den Abschluss bildet die Ableitung der Massnahmen, welche einen Ausgleich erkennbarer Lücken ermöglicht. Damit entsteht ein Regelkreis über die Personallücke zurück zum neuen Personalbestand. Der Ansatz der Simulation unterstützt die Möglichkeit, Alternativen in der Beschaffung der benötigten Ressourcen zu explorieren und zu bewerten (zum Beispiel die zeitliche Wirkung beim Mix aus externen Einstellungen und internen Personalentwicklungen unter Berücksichtigung der erforderlichen Anlernzeiten. Die Konkretisierung von Strategien für die Rekrutierung und die Entwicklung sowie die Definition der Massnahmen schliessen direkt daran an. Zudem können Anpassungen auf der Seite der Geschäftsstrategie über einen zweiten Regelkreis auf die Personallücke wirken.

Kritische Erfolgsfaktoren

Die Geschäftsleitung, das HR, aber auch die Führungskräfte haben mit «Strategic Workforce Planning» einen wichtigen Stellhebel in der Hand, um die Belegschaft abgestimmt auf die Geschäftsstrategie systematisch weiterzuentwickeln. Die Erkenntnisse aus den strategischen «Workforce Plannings» ermöglichen Unternehmen unter anderem:

  • bei Zusatzbedarf rechtzeitig Mitarbeitende aus dem externen Arbeitsmarkt anzuwerben,
  • neuartige Lösungen zur Deckung entstehenden Personalbedarfs zu erwägen und aufzubauen,
  • intern qualifizierte Fachkräfte mit Potenzial früh genug für Schlüsselstellungen weiterzuentwickeln,
  • für künftig relevante Funktionen entsprechende Kompetenzen in der Belegschaft zu entwickeln,
  • sich als Gesamtorganisation rechtzeitig für künftige Anforderungen zu rüsten / sich fit für die Zukunft zu machen,
  • das Unternehmen fundiert, systematisch und strategiekonform in die Arbeitswelt der Zukunft zu führen.

Um eine strategiekonforme Personalplanung zu ermöglichen, bedarf es einer Verzahnung der Unternehmens- sowie der Personalplanung, einen kontinuierlichen Austausch seitens der Personalabteilung mit den verschiedenen Unternehmensbereichen sowie einer engen Kooperation mit den verschiedenen Führungskräften. HR-Verantwortliche sollten ein Problembewusstsein erzeugen und sich nicht scheuen, das Management auf die Notwendigkeiten eines strategischen «Workforce Plannings» hinzuweisen. Sie können so ihre Rolle als strategischer Partner für das Geschäft stärken.

Der hier vorgestellte Ansatz trägt zu einer Versachlichung der Diskussion über zukünftige Personalbedarfe bei und bietet ein datengestütztes Referenzmodell, das das vielzitierte «Bauchgefühl» ergänzt. Denn das Vorgehen mithilfe der Simulation von Szenarien darf nicht mit dem Blick in eine Glaskugel verwechselt werden. Es ist klar: Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht. Aber eine strategische Personalplanung hilft, sich auf mögliche, zukünftige Entwicklungen vorzubereiten. Jene unlieben Überraschungen, die den Erfolg der Unternehmung gefährden können, indem auf einmal die notwendigen Personalressourcen fehlen, lassen sich über eine vorausschauende Personalarbeit vermeiden.

Porträt

Abdullah Redzepi (Autor)

Projektleiter / wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kompetenzzentrum Leadership und Personalmanagement am Institut IQB-FHS der FHS St. Gallen.

Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock (Autor)

Dozentin, stellvertretende Institutsleiterin, Leiterin Kompetenzzentrum

Sibylle Olbert-Bock leitet das Kompetenzzentrum Leadership und Personalmanagement am Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaftslehre an der FHS St. Gallen.

Dr. Kai Berendes (Autor)

Geschäftsführer

Dr. Kai Berendes ist Geschäftsführer der Dynaplan AG und Experte für das Thema strategische Personalplanung. Dynaplan entwickelt strategische Planungslösungen in den Bereichen Personal und Controlling über den Einsatz von Szenariosimulationen.