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Forschung & Entwicklung
Wissenstransfer in Kooperationen

Die Kommunikationskanäle haben erheblichen Anteil am Projekterfolg

Gundula Heyn (Autor)

01.02.11 - 14:45

Produkte, die in Kooperationen entwickelt werden, sind deutlich innovativer als solche, die ein Spezialist im Alleingang entwickelt. Unternehmen versuchen daher verstärkt, über Entwicklungskooperationen mit anderen Firmen auf die Herausforderungen durch radikal geänderte Wettbewerbsbedingungen der vergangenen Jahre zu reagieren.

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Face-to-Face-Kommunikation

Durch den Direktkontakt der Gesprächspartner bei der Face-to-Face-Kommunikation ist es dem Wissensempfänger möglich, zusätzlich zu den gesprochen Worten auch Signale aus der Mimik und Gestik des Gegenübers zu empfangen, die dazu beitragen können, das Wissen besser einzuordnen. Zudem besteht die Möglichkeit, direkt Fragen zu stellen, um eventuelle Unsicherheiten und Missverständnisse auszuräumen. Durch dieses Feedback ist der Sender in der Lage, seine Erklärungen anzupassen, zum Teil ohne Fragen des Empfängers. Face-to-Face-Kommunikation eignet sich daher gut, um komplexes bis sehr komplexes Wissen zu vermitteln und hat gegenüber der Videokonferenz den Vorteil, dass auch ein informeller Direktkontakt möglich ist. So kann die Wissensübertragung auch während der Kaffeepause, gemeinsamen Freizeitaktivitäten oder dem gemeinsamen Mittagessen erfolgen. Studien haben gezeigt, dass eine Face-to-Face-Kommunikation eher einheitliche Standpunkte bei den Teilnehmern erzeugt als elektronische Kommunikationskanäle. Dies wiederum erleichtert das Treffen einvernehmlicher Entscheidungen. Da dieser Kommunikationskanal im Vergleich zu den anderen teurer ist (Personalkosten, Zeit, Reisekosten, Raumkosten usw.), empfiehlt es sich, Face-to-Face-Kommunikation speziell für die Übertragung von komplexem bis extrem komplexem Wissen zu verwenden. Man weiss aber auch, dass nach direkten Meetings alle anderen Kommunikationskanäle an Effizienz gewinnen.

Expertenpräsentation

Der Kommunikationskanal Expertenpräsentation hat einen besonderen Vorteil gegenüber allen anderen Kommunikationskanälen: Während die Präsentation durch Experten alle Vorteile der Face-to-Face-Kommunikation beinhaltet, besitzt dieser Kanal den «Expertenvorteil»: Das Verstehen sehr bis extrem komplexen Wissens fordert vom Empfänger einen hohen Konzentrations- und Zeitaufwand. Die Bereitschaft, Lernaufwand aufzubringen, steigt nachweislich durch das Vertrauen in die Experten, relevante Informationen weiterzugeben. Zudem haben Studien gezeigt, dass Experten eher in der Lage sind, über diverse Fallbeispiele, Zusammenhangserläuterungen und Randinformationen Wissen ihres Faches zu vermitteln. Wird die sorgfältig strukturierte Präsentation zusätzlich als Dokument an die Wissensempfänger verteilt, kommen ausserdem die Vorteile des Kommunikationskanals Dokumente zum Tragen. Bei all seinen Vorteilen zählt dieser Kanal zu den teuersten. Zusätzlich zu den Kosten der Face-to-Face-Kommunikation fallen auch die Kosten für Experten (Vorbereitung, eventuelle Anreise, Vortragszeit) an. Expertenpräsentationen sollten nicht nur aus Kostengründen selektiv herangezogen werden, denn die Teilnehmer an einer Expertenpräsentation erwarten besondere, schwer erfassbare Erkenntnisse, die es rechtfertigen, Zeit und Interesse zu investieren. Wird diese Erwartung nicht erfüllt, so konnte in der Praxis beobachtet werden, nimmt die Aufmerksamkeit der Teilnehmer spürbar ab.

Porträt

Gundula Heyn (Autor)

Dipl.-Kauffrau ETH Zürich