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Finanzen & Vorsorge
Lage an den Finanzmärkten

Übergang von einem Liquiditätsdefizit zu einem Liquiditätsüberschuss

Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine (Autor)

01.08.10 - 09:15

Die Signale hinsichtlich der Wirtschaftslage sind eher positiv und deuten auf eine raschere Erholung als erwartet hin. Die Informationen zu den Finanzmärkten sind allerdings weniger erfreulich. Auf die Phase der Beruhigung, die seit dem Frühjahr 2009 an den internationalen Märkten herrschte, folgte ab dem zweiten Quartal 2010 eine neue Periode der Unsicherheit.

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Instrumente der Geldpolitik

Die SNB ist nicht die einzige Zentralbank, die sich zurzeit mit einem Liquiditätsüberschuss konfrontiert sieht. Betroffen sind die meisten Zentralbanken, die unkonventionelle geldpolitische Massnahmen ergriffen haben. Sie alle verfügen aber über geeignete Instrumente, um den Liquiditätsüberschuss zu verringern. Die SNB hat sich nach Analyse der verschiedenen Möglichkeiten für zwei Instrumente entschieden: die SNB Bills und die liquiditätsabschöpfenden Repo-Geschäfte. Beide sind gänzlich mit unserem geldpolitischen Konzept vereinbar. Bei Bedarf können jedoch auch noch weitere Instrumente beigezogen werden.

Im Folgenden sei kurz auf die Funktionsweise der von der SNB gewählten Instrumente eingegangen: Wie bereits erwähnt, ist die SNB bestrebt, den Dreimonats-Libor innerhalb eines bestimmten Zielbands zu halten. Die Höhe des Libors hängt vom Liquiditätsniveau an den Finanzmärkten ab. Bei einem Überschuss an Liquidität muss die SNB Mittel von den Märkten abschöpfen, um den Libor zu beeinflussen. Sie wendet dazu eine zweistufige Vorgehensweise an: Einerseits emittiert sie SNB Bills mit verschiedenen Laufzeiten. Die Banken oder Investoren, welche die Titel kaufen, bezahlen sie mit flüssigen Mitteln. Diese Liquidität wird somit dem Finanzsystem entzogen. Anderseits bietet die SNB liquiditätsabschöpfende Repo-Geschäfte an, um das abgeschöpfte Liquiditätsvolumen noch zu erhöhen. Bei einem liquiditätsabschöpfenden Repo-Geschäft liefert die SNB Wertschriften an Banken und erhält im Gegenzug flüssige Mittel. Auf diese Weise entzieht sie dem Finanzsystem zusätzlich Liquidität. Die liquiditätsabschöpfenden Repo-Geschäfte haben eine Laufzeit von in der Regel einer Woche. Sie dienen folglich der kurzfristigen Steuerung der Liquidität. Die SNB Bills hingegen werden zur längerfristigen Liquiditätsbewirtschaftung (ein Monat und mehr) eingesetzt. Die Nationalbank kann mit dem kombinierten Einsatz der beiden Instrumente bestimmen, wie viel Liquidität sie abschöpft, und auf diese Weise die Höhe des Dreimonats-Libors beeinflussen. Die SNB verwendet als geldpolitische Referenz weiterhin ein Zielband für den Dreimonats-Libor.

Zu Anpassungen bereit

Seit Oktober 2008 werden SNB Bills ausgegeben. Seit Anfang Monat besteht auch ein Sekundärmarkt für den Handel mit diesen von der SNB ausgegebenen Titeln. Damit wird ihre Verfügbarkeit verbessert. Weitere Vorteile der SNB Bills sind die variablen Laufzeiten, dank denen den Bedürfnissen der Geldpolitik Rechnung getragen werden kann, und die hohe Flexibilität, die darauf zurückzuführen ist, dass SNB Bills in grossem Umfang ausgegeben werden können.

Der Einsatz der SNB Bills hat sich seit März dieses Jahres verstärkt. Bis anhin wurden SNB Bills mit Laufzeiten zwischen einer Woche und drei Monaten emittiert. Das ausstehende Volumen an SNB Bills betrug letzte Woche rund 80 Mrd. Franken. Dadurch konnten die Giroguthaben auf rund 70 Mrd. Franken reduziert werden. SNB Bills und liquiditätsabschöpfende Repo-Geschäfte zeichnen sich dadurch aus, dass sie flexibel eingesetzt werden können und zu einer wirksamen Umsetzung der Geldpolitik beitragen – in gänzlicher Übereinstimmung mit dem geldpolitischen Konzept der SNB, das vor mehreren Jahren eingeführt wurde und sich seitdem bewährt hat. Mit diesen Instrumenten kann die SNB in einem für ihre Partner vertrauten und stabilen Umfeld agieren. Sie ist aber auch bereit, die geldpolitischen Instrumente rasch anzupassen, falls die Entwicklung an den Finanzmärkten dies erfordert.

Porträt

Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine (Autor)

Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank