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Finanzen & Vorsorge
Finanzmärkte und Geldpolitik

Massnahmenpaket gegen hohe Volatilität

Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine (Autor)

01.02.12 - 16:15

Die nachstehenden Ausführungen von Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine beziehen sich auf drei Themenbereiche. Zunächst wird er die ausgeprägte Marktvolatilität im vergangenen Sommer kommentieren. Danach wird er über die Auswirkungen der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) getroffenen Liquiditätsmassnahmen und des Mindestkurses auf die Geld- und Devisenmärkte sprechen. Abschliessend wird er auf die Bewirtschaftung der Devisenreserven eingehen.

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Devisenreserven

Vor dem Hintergrund des Mindestkurses ist das Interesse an der Bewirtschaftung unserer Devisenreserven wieder gestiegen. Lassen Sie mich an dieser Stelle nochmals unterstreichen, dass unsere Anlageentscheide dem Primat der Geldpolitik unterstehen und nach den drei Kriterien (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung aufgelistet) Sicherheit, Liquidität und Ertrag erfolgen. Die SNB muss das mit Wechselkursschwankungen verbundene Risiko tragen, denn jegliche Absicherung käme einem Kauf von Franken gegen Fremdwährungen gleich. Die SNB betont deshalb die Bedeutung der Diversifikation und der Begrenzung von Klumpenrisiken bei ihren Devisenanlagen.

Heute sind 53 Prozent der SNB-Devisenanlagen in Euro-Wertpapieren angelegt. Dies entspricht ungefähr dem Anteil der Eurozone an den Schweizer Exporten und ist nur fünf Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren, dies obwohl das Volumen unserer Devisenreserven (exklusive Swaps) zwischen 2008 und Ende September 2011 von 50 Mrd. auf über 225 Mrd. Franken anstieg. Um die Diversifikation weiter zu fördern, sind im Jahr 2010 vier neue Währungen ausgewählt worden: der australische Dollar, der Singapur-Dollar sowie die schwedische und die dänische Krone. Neben dem Euro und diesen vier Währungen bestehen unsere Devisenanlagen nun aus 25 Prozent US-Dollar, 9 Prozent Yen, 5 Prozent Pfund und 4 Prozent kanadischen Dollar.

Weil der Liquiditätsbedarf von Zentralbanken gross ist, halten sie in der Regel einen hohen Bestand an Staatspapieren. Wie allseits bekannt, haben die Ratingagenturen in den letzten Monaten die Bonität von vielen Staatsanleihen neu beurteilt oder herabgestuft. Trotz dieser Entwicklungen verfügen ungefähr 96 Prozent aller unserer festverzinslichen Papiere über ein Rating von AAA oder AA. Lassen Sie mich zum Abschluss betonen, dass wir aktiv neue Anlageklassen und Währungen suchen und evaluieren, sowohl in entwickelten als auch in aufstrebenden Volkswirtschaften. Es ist Ziel dieses Prozesses, die Risikokonzentration kontinuierlich zu reduzieren und die Devisenanlagen der SNB weiter zu diversifizieren.

Porträt

Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine (Autor)

Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank