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Finanzen & Vorsorge
Finanzmärkte und Geldpolitik

Liquiditätsüberhang bei den Banken kein Problem für die Geldpolitik

Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine (Autor)

01.02.11 - 14:15

Die nachstehenden Ausführungen von Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine beziehen sich auf drei Themenbereiche. Zunächst wird er auf die Lage an den internationalen Finanzmärkten eingehen. Danach wird er über die Aktivitäten der SNB auf den Finanzmärkten sprechen, und zwar in den beiden Kernaufgaben Umsetzung der Geldpolitik und Bewirtschaftung der Devisenreserven. Abschliessend wird er das geplante paneuropäische Wertschriftenabwicklungssystem (Target2-Securities) kurz beleuchten.

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Target2-Securities

Abschliessend möchte ich kurz auf das geplante paneuropäische Wertschriftenabwicklungssystem eingehen. Das sogenannte Target2-Securities (T2S) soll die bestehenden nationalen Effektenabwicklungssysteme der Zentralverwahrer von Effekten ganz oder teilweise ablösen und die Kosten für die grenzüberschreitende Effektenabwicklung in Europa erheblich reduzieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht T2S als Beitrag zur Harmonisierung und Integration des europäischen Marktes. Die Inbetriebnahme von T2S ist im Jahr 2014 geplant. Das Projekt der EZB betrifft auch den Finanzplatz Schweiz. Die Art und Weise der Anbindung der Schweizer Finanzmarktinfrastruktur ist sowohl für die Banken als auch für die SNB von Bedeutung. Im Jahr 2009 unterzeichnete die SIX SIS AG, der Schweizer Zentralverwahrer von Effekten und eine Tochtergesellschaft der SIX Group, im Einvernehmen mit der SNB eine Absichtserklärung zur Teilnahme an T2S mit in Euro denominierten Wertschriften. Dies würde es den Banken in der Schweiz ermöglichen, Wertschriftengeschäfte in Euro kostengünstiger abzuwickeln.

T2S ist mehrwährungsfähig und die EZB ist sehr daran interessiert, auch andere Währungen in ihr Abwicklungssystem einzubinden. Deshalb klären wir derzeit in Abstimmung mit der SIX Group und den Banken ab, wie weit T2S auch für eine Abwicklung von Wertschriftengeschäften in Franken vorteilhaft wäre. Dazu müsste die Nationalbank zulassen, dass in T2S (analog zum Swiss Interbank Clearing SIC) SNB-Konti in Franken geführt werden und die Banken tagsüber einen Teil ihrer Nationalbankguthaben (Giroguthaben) auf ihre Frankenkonti in T2S halten können. Die Führung von Nationalbankkonti in einem ausländischen System wäre eine bedeutende Änderung, die gründlicher Abklärungen bedarf. Diese sind derzeit im Gang. Ein Entscheid der SNB über die Frage der Abwicklung von Frankengeschäften in T2S ist bis Mitte 2011 zu erwarten.

Porträt

Prof. Dr. Jean-Pierre Danthine (Autor)

Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank