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Finanzen & Vorsorge
Erfolgreich mit Schweizer Aktien (2)

Langfristig sind Aktien die besten Anlagen

Paul Vogler (Autor)

01.06.10 - 11:00

Über Anlagen in Schweizer Aktien gibt es Aufzeichnungen seit 1925. Für den Dow Jones bestehen Zahlen-informationen seit dem mittleren 19. Jahrhundert. Alle historischen Aufzeichnungen zeigen das gleiche Ergebnis: Trotz Schwankungen und zeitweisen Einbrüchen von bis zu 50 Prozent erreichen Anleger mit Aktien langfristig eine durchschnittliche Rendite von über 7 Prozent pro Jahr. Und: Rückschlägen (crashes) kann der Anleger ausweichen.

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Welchen Kurs als Ausgangslage?

Es ist ungeschickt, wenn Anleger die Aktienkurse immer nur von einem gehabten Höchst aus betrachten. Ebenso verleitet es zu Fehlschlüssen, wenn die Kurse immer nur für das vergangene Jahr betrachtet werden. Wenn wir den Aktienkurs der Swiss Re vom 9. März bis 31. Dezember 2009 beobachten, dann hat sich der Kurs dieser Aktie um mehr als das Vierfache erhöht. Bei dieser kurzfristigen Betrachtung bleibt verborgen, dass die Aktie der Swiss Re vom 4. Juni 2007 bis zum 9. März 2009 mehr als 89 Prozent an Wert eingebüsst hat und sie am 31. Dezember 2009 erst wieder auf 42 Prozent des Werts vom 4. Juni 2007 angestiegen ist.

Sinkenden Trends ausweichen

Dem sinkenden Trend kann der Anleger durch gestaffelte Anlage ausweichen. Anleger sollten sich auch nicht dazu verleiten lassen, bereits während des sinkenden Trends wieder in Aktien einzusteigen. Man kann sich dabei erhebliche Verluste einhandeln. Dieses Risiko wird mit dem Zitat «Greife nie in ein fallendes Messer» treffend bildlich ausgedrückt. Bei Käufen während eines sinkenden Trends weiss der Anleger nie, ob er bereits den Griff des wieder aufgerichteten Messers erwischt oder ob er direkt in die noch fallende Klinge greift. Einen steigenden Trend («Der Trend ist dein Freund») soll man nutzen und nicht zu früh mit Gewinnrealisierungen das Steigerungspotenzial der Anlage schmälern. Und wenn sich die Anlage in einem steigenden Trend befindet, dann geht es darum, vor der nächsten Einbusse den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg zu finden.

Panik und Gier

Da sich Aktienkurse unregelmässig bewegen, kann es vorkommen, dass Anleger bei sinkenden Kursen unruhig werden und das Depot schliessen wollen. Solche Massnahmen sollten nicht aus Panik vor Verlusten, sondern mit einer guten Entscheidungsgrundlage zur Erhaltung des bestehenden Vermögens ausgeführt werden. Wenn Kurse nach einem längeren Kursanstieg zu sinken beginnen, müssen Anleger die Bereitschaft haben, die Aktien auch unterhalb des einmal erreichten Höchststandes zu verkaufen. Wenn sie gierig sind darauf, einen solchen, geringen Kursverlust sofort wieder aufzufangen, können sie erleben, dass die einmal geliebte Aktie immer mehr an Wert verliert. Zu Recht sagte deshalb André Kostolany: «Beim Kaufen muss man Fantasie haben, beim Verkaufen weise sein.»

Das meinen Josef und Peter

Zurück zum Stammtisch. Im September 2009 bemerkte Josef, wie Peter unruhig auf dem Stuhl hin- und herrutschte. Nach der Aufforderung, was er erzählen möchte, legte Peter los: «Du glaubst es nicht, mit der Aktie der XXX-Bank habe ich seit dem 9. März einen Gewinn von mehr als 75 Prozent erzielt. Das ist schon toll.» Josef hatte diese Aktie früher auch in seinem Depot, nachdem sie aber seit dem Höchstkurs im Jahr 2007 immer mehr an Wert verloren hatte, hat er die Titel 30 Prozent unter dem damaligen Höchstkurs bei 50 Franken verkauft. «Bei welchem Kurs hast du sie gekauft?», wollte er von Peter wissen. «Ja, zugegeben, sie liegt erst auf etwa 60 Prozent des durchschnittlichen Einstandspreises. Ich habe sie bei etwas über 30 Franken gekauft, aber danach ist sie auf über 70 gestiegen. Wenn ich jetzt noch etwas zuwarte, werde ich sie sicher mit Gewinn verkaufen können.» Josef schmunzelte. Als er die Aktie 30 Prozent unter dem Höchstkurs verkauft hatte, konnte er immer noch einen Gewinn von fast 50 Prozent einstreichen. Während der ganzen Talfahrt der Aktie lag bei ihm der Gegenwert auf dem Konto. Wohl konnte er keinen Anstieg von 9 Franken auf über 20 Franken verzeichnen, aber vorher hatte er auch nicht verloren, als die Aktie vom Kurs 50 auf den Tiefstkurs unter 10 Franken abgestürzt war. Aktien, gut bewirtschaftet, bringen höhere Renditen als alle anderen Anlagen. Es geht darum, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden und den idealen Termin für einen Ausstieg mit Gewinn nicht zu verpassen.

Porträt

Paul Vogler (Autor)

Inhaber Swiss Value Asset Management

Der Autor ist vollhaftender Inhaber der Einzelfirma Swiss Value Asset Management Paul Vogler, einer unabhängigen Vermögensverwalterin im luzernischen Hildisrieden. Er hat ein eigenes Aktienbewirtschaftungssystem für Schweizer Aktien ent­wickelt und betreut Privatkunden und In­stitutionelle Anleger. Im Rahmen der Vermögensplanung entwickelt er für Einzelfirmen und KMU Vorsorgelösungen bei der überobligatorischen Kadervorsorge. Paul Vogler ist Mitglied des interdisziplinären Beraterverbunds Swissconsultants mit 27 Partnerunternehmen und mehr als 350 Beraterinnen und Beratern. www.swissconsultants.ch