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Finanzen & Vorsorge
Steuerreform 2020

Die wichtigsten Änderungen und Vorteile für KMU

Armin Marti (Autor), Dr. Remo Küttel (Autor)

12.12.19 (Ganztägig)

Am 19. Mai 2019 hat das Stimmvolk die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) mit 66,4 Prozent Ja-Anteil angenommen. Damit sprach es sich für ein international anerkanntes Steuersystem und eine verlässliche Altersvorsorge aus. Der Beitrag fasst die wichtigsten Änderungen zusammen und zeigt, warum die Steuerreform auch KMU zugutekommt.

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Vorteile für KMU

Die Steuerreform wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die Unternehmen in der Schweiz aus. Von der Steuersatz­reduktion profitieren KMU gleicher­mas­sen wie Gross­­un­ter­nehmen; sie wird die Unternehmen spürbar entlasten. Nachfolgend die wichtigsten Neuerungen und Vorteile für Schweizer KMU im Überblick:

Tiefere Gewinnsteuersätze

Die kantonalen Gewinnsteuersätze für KMU-Aktivitäten sinken in vielen Kan­tonen, in einigen Kantonen sogar erheblich (vgl. Abbildung 2).

Steuerabzug für F&E

Schweizer KMU forschen und entwickeln typischerweise in der Schweiz. Mit der Reform können sie neu grundsätzlich den kantonalen Abzug von zusätzlich bis maximal 50 Prozent auf ihre vollen F&E-Kosten geltend machen. Nicht so die grossen Konzerne, die oft auch im Ausland um­fassend F&E betreiben. Denn ausländische F&E-Kosten qualifizieren nicht für den F&E-Steuerabzug – selbst wenn sie von einem Schweizer Unternehmen getragen werden.

Nutzung der Patentbox

Vor allem Unternehmen mit F&E-Aktivitäten und Verkäufen von patentgeschützten Produkten kommen in den Genuss der Erleichterung durch den Patentboxabzug. Die obligatorische Einführung der Patentbox bewirkt, dass ein Teil der Gewinne aus dem Verkauf patentierter Produkte künftig kan­tonal ermässigt besteuert wird. Erfolg­reiche, innovative KMU können die Patentbox in der Regel umfassender nutzen als internationale Unternehmen. Letztere müssen den Patentboxabzug nämlich in jenem Umfang kürzen, in dem die Kosten zur Entwicklung eines Patents im Ausland – und nicht in der Schweiz – angefallen sind.

Vorteil Übergangsregelung

Die bisherigen Statusgesellschaften gehören nicht unbedingt zu den Verlierern der Abstimmung. Sie stehen vor der Wahl, ihren Steuerstatus vorzeitig freiwillig aufzugeben und die unter dem Privileg geschaffenen steuerfreien Re­serven aufzudecken (sogenannter «Step-up») oder bis zur gesetzlichen Abschaffung abzuwarten und anschliessend den Sondersteuersatz anzuwenden («Sondersatz-Lösung»).

Sowohl die Step-up- als auch die Sondersatz-Lösung müssen die Unternehmen direkt bei der kantonalen Steuerbehörde beantragen. Im Gegenzug dazu erhalten sie Rechtssicherheit und wenden entsprechende Gegenmassnahmen durch ausländische Staaten ab. Die meisten Kantone kennen die erwähnte Praxis der Step-up- beziehungsweise Aufdeckungs-Lösung; einzelne hingegen nicht. In diesen Kantonen steht jedoch die Sondersatz-Lösung zur Verfügung (vgl. Abbildung 3). 

Hat ein KMU von einem bisherigen Steuerregime profitiert, so geniesst es die gleichen Vorteile einer Step-up- oder Sondersatz-Lösung wie ein Grosskonzern. 

Abzug für Eigenfinanzierung

Der Abzug für Eigenfinanzierung ist als Zinsabzug auf überschüssigem Eigenka­pital ausgestaltet und als Sonderre­gelung faktisch nur für den Kanton Zürich vor­gesehen. Mit diesem Abzug kann Zürich den Wegzug von Fi­nanzier­ungsaktivitäten aus dem Kanton ver­hindern und Steuermehreinnahmen generieren. 

Entlastung bei der Kapitalsteuer

Die Steuerreform sieht eine Kapitalsteuerentlastung sowohl auf Beteiligungen und Patenten als auch auf Darlehen an Konzerngesellschaften vor. Damit können die Kantone einer Mehrbelastung für bisherige Statusgesellschaften bei der Kapitalsteuer entgegentreten. 

Zusammenfassung

Mit dem Abstimmungsentscheid vom 19. Mai 2019 und dessen Umsetzung in den Kantonen kann die steuerliche Standortattraktivität der Schweiz wieder gesichert werden. Zum Beispiel entlasten die Patentbox und der F&E-Abzug die Unternehmen nicht nur steuerlich. Sie zielen ebenfalls darauf ab, gut ausgebildeten Arbeitskräften in der Schweiz einen Arbeitsplatz zu bieten und sie hier zu halten. Sie sind damit nicht nur ein fi­­nanzieller Anreiz für die Unternehmen, sondern auch ein mittelfristiger Schutz des landeseigenen Know-hows. Die neue Steuerordnung wirkt auf den ersten Blick komplex. Doch diese Komplexität ist mit Unterstützung eines fachkundigen Beraters zu bewältigen; in einem KMU leichter als in einem kompliziert organisierten multinationalen Konzern. Dabei sollten die KMU nicht allein auf die reduzierten Steuersätze schielen, sondern auch Vorteile aus der Patentbox und dem F&E-Abzug prüfen. Denn weniger Gewinnsteuern bedeuten für ein KMU mehr Geld für Investitionen in den Ausbau seiner Aktivitäten und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Ehemalige Statusgesellschaften müssen abwägen, ob sie vom Step-up oder von der Sondersatz-Lösung profitieren wollen. Auch sie gewinnen mit dem Volksurteil einen unbezahlbaren Wert zurück, nämlich Rechtssicherheit für ihr Unternehmen.

Porträt

Armin Marti (Autor)

Leiter Steuerpolitik

Armin Marti ist Leiter Steuerpolitik bei PwC Schweiz. Er verfügt dort über mehr als 30 Dienstjahre und hat damit langjährige Erfahrung in der Steuerberatung für börsenkotierte wie privat gehaltene Unternehmen verschiedener Grössenordnung in der Schweiz und international.

 

Dr. Remo Küttel (Autor)

Partner Steuerberatung

Remo Küttel ist Partner Steuerberatung bei PwC Schweiz. Er berät Familienunternehmen und deren Eigentümer sowie börsenkotierte Konzerne in Steuer­fragen. Er setzt sich seit vielen Jahren aktiv im Bereich der Entwicklung der schweizerischen Steuerpraxis und Steuergesetzgebung ein und ist Lehrbeauftragter für Unternehmenssteuern an der Universität Zürich.