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Finanzen & Vorsorge
Internationalisierung

Die Rolle der Banken beim «Going International»

Dr. Patrick Schüffel (Autor), Dr. Nils S. Tuchschmid (Autor), Prof. Dr. Rico Baldegger (Autor)

15.02.17 - 02:45

KMU tun sich schwer mit der Internationalisierung ihres Geschäfts. Banken versprechen Unterstützung in dieser Situation. Doch welche Rolle spielen Banken tatsächlich in dem Internationalisierungsprozess von Schweizer KMU? Die Hochschule für Wirtschaft in Fribourg ist dieser Fragestellung mit einem Forschungsprojekt nachgegangen.

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Eine enge Abstimmung mit der Bank unterstützt ein kleines oder mittleres Unternehmen in seinen Bemühungen, sich in der Breite zu internationalisieren.

Je häufiger ein KMU im Kontakt mit seiner Bank stand, desto grösser war die Anzahl der Kontinente, in denen ein KMU aktiv war. Die Ratschläge der Bank trugen mutmasslich mit dazu bei, dass sich KMU über mehrere Kontinente hinweg internationalisieren konnten.

Eine enge Abstimmung mit der Bank führt schneller zu einer Internationalisierung eines KMU.

Je häufiger ein KMU im Kontakt mit seiner Bank stand, desto geringer war das Alter, in welchem sich die Unternehmung internationalisiert hat. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls zu vermuten, dass es die Ratschläge der Hausbank sind, die einem KMU dabei helfen, sich in einem früheren Alter zu internationalisieren. Der enge Kontakt zur Bank wirkt quasi wie ein Internationalisierungsbeschleuniger.

Handlungsempfehlungen

Aus unseren Forschungsergebnissen lassen sich für KMU verschiedene konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Erstens sollten KMU durchaus aktiv auf Banken zugehen, wenn sie die Bestrebung haben, ihr Geschäft zu internationalisieren. Banken können hierbei uneingeschränkt Hilfestellungen leisten. Zweitens sind KMU angehalten, sich über die Produkte und Services zu informieren, welche Banken für das internationale Geschäft offerieren. Sicherlich sind nicht alle Produkte beziehungsweise Services gleichermassen hilfreich für alle KMU, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Internationalisierer zahlreiche Produkte und Services der Banken in Anspruch nehmen. Drittens ist den KMU anzuraten, ihre Bank als «Outsourcing Partner» in Geldfragen zu betrachten. Unternehmer sollten sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und das Geschäft entwickeln, während die Bank die monetäre Infrastruktur hierfür liefert, eben auch auf internationalem Parkett.

Konklusion

Es bleibt festzuhalten, dass gemäss unserer Studie die Banken tatsächlich eine positive Auswirkung auf den Internationalisierungsprozess ihrer KMU-Kunden haben. Die Bankeninvolvierung ging in der Regel einher mit einem höheren Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, mit einer breiteren Internatio­nalisierung der kleinen und mittelgros­sen Unternehmen sowie mit einer früheren Internationalisierung. Die in persönlichen Gesprächen geäusserten negativen Rückmeldungen konnten anhand des vorliegenden Datenmaterials nicht bestätigt werden. Sie können noch am ehesten mit dem negativen «Word of Mouth»-Effekt erklärt werden.

Demgemäss verbreitet sich eine negative Meinung über ein Produkt beziehungsweise Service wesentlich weiter als eine positive. So erzählen unzufriedene Kunden zweimal so vielen Personen von den gemachten negativen Erfahrungen wie zufriedene Kunden (Goodman, 1986). Darüber hinaus ist die Anzahl der Personen, welchen von den negativen Erfahrungen berichtet wird, beachtlich. Ein unzufriedener Kunde erzählt mindestens neun anderen Personen von seinen negativen Erlebnissen. 13 Prozent dieser unzufriedenen Kunden berichten jedoch sogar mehr als 20 weiteren Personen von den gewonnenen negativen Einsichten.

KMU, die ohnehin zahlreichen Widrigkeiten im Internationalisierungsprozess ausgesetzt sind, sollten also definitiv die Partnerschaft mit Banken suchen, wenn es um die internationale Erweiterung ihres Geschäfts geht. Umgekehrt kann jedoch auch der Bankensektor massiv profitieren, wenn Banken mehr als bisher das Auslandsgeschäft ihrer KMU-Kunden forcieren und ihnen ins Ausland folgen. Für Banken erschliessen sich dadurch allfällige neue Geschäftsfelder jenseits eines weitgehend gesättigten Schweizer Marktes.

Porträt

Dr. Patrick Schüffel (Autor)

Professor, Institut für Finanzen der Hochschule für Wirtschaft, Fribourg

Dr. Nils S. Tuchschmid (Autor)

Professor, Direktor, Institut für Finanzen der Hochschule für Wirtschaft, Fribourg

Prof. Dr. Rico Baldegger (Autor)

Geschäftsführer und Praxispartner

Hochschul-Rektor, Hochschule für Wirtschaft Freiburg, und Professor am dortigen Institut für Entrepreneurship und KMU