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Finanzen & Vorsorge
Neue IFRS-Rechnungslegung

Beim Leasing soll künftig alles bilanziert werden

Daniel Anliker (Autor), Hans Peter Heiber (Autor)

01.10.10 - 11:00

Im August 2010 wurden Entwürfe für die neue Rechnungslegung von Leasingverhältnissen nach IFRS und US GAAP veröffentlicht. Darin ist vorgesehen, dass neu sämtliche Leasingverhältnisse zu bilanzieren sind. Anders als im Schweizer Sprachgebrauch umfasst der Begriff des Leasings dabei sämtliche Mietverhältnisse. Das hat auch Auswirkungen für KMU.

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IFRS anwendende KMU

IFRS anwendende KMU werden dagegen einen möglichst effizienten Weg finden müssen, den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Das heisst konkret, die notwendigen Daten aus allen Leasingverträgen erstmalig zusammenzustellen und die Werte für die Rechte zur Nutzung über die Laufzeit zu ermitteln. Anschliessend an diesen Initialaufwand ist jährlich sicherzustellen, dass alle neuen oder geänderten Leasingverträge vollständig erfasst werden. Bei einer sehr grossen Anzahl von Leasingverträgen, etwa einer grossen Anzahl geleaster PC-Arbeitsplätze, einer geleasten Flotte an Servicefahrzeugen oder einer Vielzahl an gemieteten Firmenstandorten, ist davon auszugehen, dass dies nur mit einer Unterstützung des Buchführungssystems oder einer separaten Softwareapplikation effizient möglich ist.

Sobald der Standard in definitiver Form verabschiedet sein wird, sollten die IFRS-Anwender analysieren, ob die Änderungen in Bilanz und Erfolgsrechnung eine Auswirkung auf intern und extern verwendete Kennzahlen haben (beispielsweise Kreditvertragsklauseln mit Banken, Kompensationspläne, usw.)

Zusammenfassung

Der neue Standard zur Behandlung von Leasingverträgen ist noch nicht in Kraft, und die Kommentierungsfrist zum Entwurf läuft noch bis 15. Dezember 2010. Mit diesem Entwurf ist die Richtung für die neue Leasingbilanzierung jedoch vorgezeichnet. Der Ansatz, dass sowohl ein gekauftes als auch ein geleastes Gut der Wertschöpfung durch das Unternehmen dienen und sich daher in der ökonomischen Substanz während der vertraglichen Nutzungsdauer nicht wesentlich unterscheiden, ist aus Sicht eines Bilanzlesers nachvollziehbar. Die konsequente Aktivierung aller geleasten Güter sowie die Erfassung der damit korrespondierenden Summe der vereinbarten Leasingzahlungen als Verbindlichkeit ergibt in der Tat ein klareres Bild als die bisher praktizierte Unterscheidung zwischen Finanzierungs- und operativem Leasing.

Die Schwächen der bisherigen Regelung mit dem grossen Auslegungsspielraum werden mit dem neuen Standard eliminiert. Ein neues Feld an Ermessensspielraum wird sich hingegen mit dem vom Standardsetzer beabsichtigten Einbezug von Verlängerungsoptionen und umsatz- und indexabhängiger Leasingaufwendungen in die Ermittlung des zu bilanzierenden Betrages auftun. Für die IFRS-Anwender wird es wichtig sein, einen möglichst effizienten Weg zur Umsetzung des neuen Standards zu finden und die dafür notwendigen Arbeitsprozesse sowie das Buchführungssystem frühzeitig anzupassen.

Für IFRS nicht anwendende Unternehmen – mithin die Mehrheit der Schweizer KMU – ist es wichtig, darüber informiert zu sein, dass im Bereich der Leasingverträge (inkl. Mietverträge) eine wesentliche Änderung in der Bilanzierungspraxis stattfindet. Wichtig deshalb, weil die von den Firmen intern verwendeten Kennzahlenvergleiche mit anderen Unternehmen, aber auch die von anderen Stakeholdern wie Banken und Investoren verwendeten Vergleichskennzahlen von den Änderungen beeinflusst werden dürften. Ohne Kenntnis der Hintergründe dieser Änderungen können künftige Kennzahlenvergleiche mit Konkurrenzunternehmen zu falschen Ergebnissen führen, oder im Fall eines Kreditantrags wird die Argumentation gegenüber einem Fremdkapitalgeber schwierig.

Porträt

Daniel Anliker (Autor)

Partner Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers

Hans Peter Heiber (Autor)

Senior Manager Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers