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Konsumgüterindustrie

Sofortprogramm für Supply Chains in der Corona-Krise

Prof. Dr. Matthias Lütke Entrup (Autor), Dennis Goetjes (Autor)

01.04.20 - 16:30

Die Konsumgüterindustrie hat in der aktuellen Krise einerseits mit dem Einbruch ganzer Geschäftsbereiche zu kämpfen, andererseits muss sie auf den rasant gestiegenen Bedarf nach bestimmten Sortimenten reagieren. Welche Massnahmen das Supply Chain Management in dieser Situation prüfen und durchführen sollte, zeigt dieser Beitrag.

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Eine intelligente Auftragssteuerung aufbauen

Wie eingangs beschrieben, führen die Absatzverwerfungen dazu, dass insbesondere länger haltbare Produkte in der Vertriebsschiene LEH starke Absatzzuwächse verzeichnen können. Dies kann dazu führen, dass einzelne Handelszentralen bereits volle LKW-Ladungen von einem oder zwei Artikeln bestellen. Ein auf diese Gegebenheiten angepasster Dispositionsprozess wird dann berücksichtigen, dass Ware möglicherweise direkt vom Werk an den Kunden geliefert werden kann, sofern QS- oder Reife- beziehungsweise Quarantänezeiten es technologisch zulassen. In diesem Fall könnte der gesamte Warenumschlag im Fertigwarenlager, ggfs. auch ein Shuttletransport, eingespart werden. Hinzu kommt, dass der Handelskunde seine Regallücken schneller schliessen kann.

Auch die Zuordnung von Kunden zu Auslieferungslagern sollte dynamisch hinterfragt werden. Obwohl ein Kunde standardmässig einem Auslieferungslager zugeordnet ist, kann es in Einzelfällen durchaus Sinn machen, den Kunden von einem anderen Auslieferungslager zu beliefern. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die entsprechende Artikelstruktur des Auftrags besser von dem anderen Lager geliefert werden kann, da sich die entsprechenden Produktionswerke eher in der Nähe des alternativen Lagers befinden. Für eine detaillierte Prüfung, welches Auslieferungslager das günstigere ist, ist es oftmals hilreich, eine kleine IT-gestützte Lösung zu installieren, da im Tagesgeschäft nicht jeder Auftrag umfassend geprüft werden kann.

Outbound-Logistik zur Abholung bei Lieferanten einsetzen

Nur wenige Unternehmen schaffen es bisher stringent, Ihre Inbound-Logistik mit der Outbound-Logistik zu verknüpfen; von einzelnen opportunistischen Ladungen einmal abgesehen. Einer der wesentlichen Gründe hierfür sind unterschiedliche Zuständigkeiten, da die Inbound-Logistik im Regelfall vom Einkauf und die Outbound-Logistik von der Logistik-Abteilung organisiert werden. Hinzu kommt, dass die Inbound-Transportkosten bei Frei-Haus-Preisen häufig gar nicht bekannt sind.

Eine Verknüpfung der beiden Bereiche bietet schon in normalen Zeiten eine gute Möglichkeit, Rundläufer zusammenzustellen und somit die Transportkosten insgesamt zu senken, da sehr viele Lieferanten geographisch in der Nähe einer Handelszentrale liegen. In der aktuellen Krise mit einem sich insbesondere im internationalen Geschäft verknappenden Frachtraum wird dies umso wichtiger. Für die Verknüpfung sind in der Umsetzung zunächst einmal von den Lieferanten die reinen Materialpreise von den Logistikkosten zu trennen. In einem zweiten Schritt können dann der Einkauf und die Logistik gemeinsam und strukturiert alle Möglichkeiten der Rundläuferbildung ermitteln.

Disponenten ein klares Regelwerk bei Lieferengpässen vorgeben

Wie bereits beschrieben entstehen durch die Verschiebung der Vertriebskanäle hin zu LEH und e-Commerce sowie durch die hohen Absatzspitzen bei lagerfähigen Produkten schnell Lieferengpässe. Sollte die Nachfrage die verfügbare Menge übersteigen, stellt sich die Frage, welche Kunden mit welchen Mengen beliefert werden sollen und welchen Kunden Lieferabsagen erteilt werden müssen. Für die Allokation der verfügbaren Mengen sind eine Vielzahl an Faktoren relevant:

  • Länge und Umfang der Kundenbeziehung
  • Deckungsbeiträge
  • Strategische Perspektive des Kunden
  • Pönalen bei Nichtlieferungen
  • Möglichkeit und Kosten von Nachlieferungen

Die Entscheidung der Mengenallokation ist von hoher Relevanz für die Unternehmen, da hier langfristig Kundenbeziehungen beeinträchtigt werden können, man es aber andererseits auch nicht allen Kunden recht machen kann. Wichtig ist es, die Disponenten in dieser Situation nicht allein zu lassen, sondern ein klares Regelwerk vorzugeben, wie bei Fehlmengen zu verfahren ist. So stellen Sie sicher, dass die Vorgaben aus der Unternehmensstrategie auch stringent umgesetzt werden.

Porträt

Prof. Dr. Matthias Lütke Entrup (Autor)

Partner, Höveler Holzmann Consulting GmbH

Die auf Einkaufsoptimierung spezialisierte Unternehmensberatung Höveler Holzmann Consulting GmbH unterstützt Unternehmen beim Identifizieren und Realisieren von Einsparpotenzialen im Einkauf und beim Implementieren eines professionellen Beschaffungsmanagements.

Dennis Goetjes (Autor)

Principal, Berater, Höveler Holzmann Consulting GmbH

Dennis Goetjes arbeitet als Principal für die Höveler Holzmann Consulting GmbH, Düsseldorf und ist spezialisiert auf gesamthafte Optimierungen im Supply-Chain-Management.