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Vision Schweiz Teil 3/3

Die Schweiz zwischen Vision und Realität

Dr. Eduard Hauser (Autor)

23.05.19 (Ganztägig)

Eine Vision schafft Klarheit für die Umsetzung künftiger Herausforderungen in der Gesellschaft, Politik, Technologie, Ökologie und Wirtschaft. Dabei soll die Qualität des Lebens im Zentrum stehen. Der Beitrag zeigt, wie stark eine Vision Schweiz bereits mit der Realität verknüpft ist und an welchen Stellen die Volkswirtschaft noch Störungen unterworfen ist.

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Die Vision:

Die globale Verantwortlichkeit für Menschen und Umwelt wird wahrgenommen.

Der Status quo:

  • Grosse Probleme mit der Nachhaltigkeit.
  • Die Rolle als Verschwender und Profiteur wird wahrgenommen.
  • Der CO2-Verbrauch ist zu hoch.
  • Die globale Verantwortlichkeit für die internationalen Rohstoff-Firmen wird nicht wahrgenommen. Diese belasten die Umwelt mit dem Faktor 20, ver­glichen mit der Schweiz.
  • Die hohe Mobilität belastet die Umwelt mit starkem Schadstoffausstoss.

Die Vision:

Die Besteuerungssysteme sind pragmatisch, auf Geldkreisläufe orientiert und international wettbewerbs­fähig; sie tragen zum Gleichgewicht des Güter- und Kapitalstroms bei. 

Der Status quo:

  • Die Besteuerung mit Bevorzugung reicher Personen und Konzerne muss eingeschränkt werden; die notwen­digen Reformen im Parlament sind schwierig. Die Gefahr des erneuten Scheiterns in der Volksabstimmung ist virulent.
  • Neue Steuerkonzepte sind nicht in Sicht.
  • Die Schweiz ist Hotspot für Offshore-Konstrukte und Schattenfinanzzentren.
  • Die Schweiz hat die Weltmarktführerschaft bei der Verwaltung von privaten Vermögen.
  • Es gibt sehr grosse Unterschiede bei der Einkommensbesteuerung zwischen den Kantonen.
  • Die Banken sind unter Druck, weil sie nicht mit einer Stimme sprechen. Zersplittert sind die Statements der Gross- und Regionalbanken sowie der Privatbanken. Banken bieten keine Sicherheiten und zahlen keine Zinsen, verlangen aber bei Krediten und Hypotheken entsprechende Zinsen.

Die Vision:

Die Schweiz ist wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch, technologisch und ökologisch reformfähig. Ein Ausverkauf der wirtschaftlich-sozialen Meriten mit Systemrelevanz findet nicht statt; das Vertrauen in die inländische Governance-Kompetenz ist intakt. 

Der Status quo:

  • Die Reformfähigkeit ist in Frage gestellt, vor allem gibt es starken Nachholbedarf in der Ökologie.
  • Langsam gibt es Bewegung zur Sicherung des Ausverkaufs von strategischen Firmen, wegen Akquisitionen von China. Bei Mehrheiten des Besitzes in öffentlicher Hand ist der Ausverkauf nicht möglich.
  • Die Machtteilung führt zur Unfähigkeit, zeitnah zu entscheiden.
  • Die Regierung verfügt über Governance mit Verbesserungspotenzial.

Die Vision:

Der Generationenvertrag stellt die Kooperation zwischen Jung und Alt ins Zentrum, fördert die Chancengleichheit und die Gleichstellung der Geschlechter. 

Der Status quo:

  • Ego und Narziss behindern sich gegenseitig und stellen den Generationen­vertrag in Frage. Beflügelt wird diese Tendenz mit der Überalterung und der Tatsache, dass immer weniger Junge die Alten finanzieren müssen.
  • Die Gleichstellung der Löhne zwischen Frauen und Männern ist immer noch im Ungleichgewicht; ein Gesetzesvorschlag ist in Diskussion.
  • Die Chancengleichheit in der Bildung ist nicht erfüllt. Und je reicher die Gemeinden sind, desto höher ist die Maturitätsquote, allerdings auch die Durchfallquote.

Die Vision:

Die Verteilung der Vermögen und Einkommen erhält den Mittelstand und mindert die Armut. Die persönliche Freiheit orientiert sich an der Maxime der Selbstbeschränkung und Selbstverantwortung. Strafrechtlich relevante Sorglosigkeit wird bei den Verantwortlichen systematisch sanktioniert. 

Der Status quo:

  • Die Rechtsprechung und die Gerechtigkeit entsprechen sich zu wenig. Kriminelles Verhalten in der Wirtschaft wird zu wenig sanktioniert, im Gegenteil, es werden Entschädigungen für strategische Irrtümer ausbezahlt und die Mitarbeiter verlieren das Alterskapital.
  • Die Einkommen haben einen Gini-­In­dex von 0,3. Die Vermögen von 0,8. Die Schere bei den Salären geht weiter auseinander und die Vermögenswerte befinden sich in den Händen von We­nigen und Auserwählten; es gibt Ansätze für eine Oligarchie.
  • Persönliche Freiheit wird häufig mit maximalem Konsum verbunden.

Porträt

Dr. Eduard Hauser (Autor)

Präsident Entwicklung Schweiz

Dr. Eduard Hauser ist Autor und freier Journalist. Er studierte an der Universität St. Gallen Wirtschaftswissenschaften (lic. oec. HSG) und promovierte an der Newport University (USA) zum PhD of Business Administration. Er war als Personal- und Ausbildungsleiter sowie Organisations- und Projektleiter in der Industrie- und Dienstleistungsbranche tätig. 35 Jahre hat Eduard Hauser als Unternehmer Firmen zu Themen wie Innovation, Prozessmanagement oder Unternehmensentwicklung beraten. 10 Jahre war er VR und Dozent an der HSG und an der Hochschule Luzern. Aktuell ist er Autor verschiedener Sachbücher und Publikationen, sowie Präsident von «entwicklungschweiz.ch».